Buchhandlung Gunzenhausen
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„1919 – Das Jahr der Frauen“ <br>von Unda Hörner

„1919 – Das Jahr der Frauen“
von Unda Hörner

Buch der Woche

1919 – im zweiten Halbjahr 2019 geht unser Blick 100 Jahre zurück. Denn am 26. September haben wir Herbert Kapfer zu Gast. Er wird aus seinem Buch „1919“ lesen. Ergänzt wird die Lesung durch Texte und Material aus Gunzenhausen, das Stadtarchivar Werner Mühlhäußer zusammenstellt. Bis dahin wollen wir euch einige Bücher vorstellen, die sich mit dieser Zeit beschäftigen. Außerdem machen wir eine kleine Umfrage zum Thema 100 Jahre Frauenwahlrecht. Kommt gerne vorbei und macht mit!

Karin hat diese Woche ein weiteres Buch zum Thema für uns. Sie schreibt über „1919 – Das Jahr der Frauen“ von Unda Hörner:

Im Fokus steht nicht die Biographie der Einzelperson. Vielmehr will Unda Hörner durch ihre streng chronologische Erzählweise verdeutlichen, mit welch ungeheuren Macht Frauen nach Gleichberechtigung verlangten. Sie zeigt sie in den unterschiedlichsten Lebensbereichen und ihrer jeweiligen Berufung folgend. Belegte Episoden aus den Lebensläufen so berühmter Frauen wie Rosa Luxemburg, Marie Curie, Käthe Kollwitz u.v.m. werden erzählerisch miteinander verbunden. Entsprechend ist das Buch nicht in Kapitel, sondern in die Monate des Jahres 1919 untergliedert.

Die Autorin schafft es mit diesem Kunstgriff, einen Eindruck des gesellschaftlichen Klimas zu vermitteln. Denn 1919 war auch und vor allem für Frauen ein bedeutsames und ereignisreiches Jahr. Beim Lesen habe ich die Zerrissenheit dieser Zeit richtig gefühlt. Eine Zeit zwischen für uns heute kaum vorstellbarer Rückständigkeit und einem radikal modernen Geist, oftmals transportiert durch die Frauen. Allerdings geht das leider auf Kosten der Geschichte der Einzelnen der insgesamt sehr zahlreichen Protagonistinnen, was manchmal auch nervt. Man wird, kaum eingetaucht in eines der Schicksale, sofort wieder herausgerissen und hat manchmal etwas Mühe, den Überblick zu behalten.

Mehr will dieses Buch aber wohl auch nicht erreichen: Ein Stimmungsbild abgeben. Es lässt uns zumindest ansatzweise ahnen, wie weit das Frauenbild der damaligen Zeit von unserem abwich. Aber es zeigt auch, wie tapfere, begabte Künstlerinnen und Politikerinnen in diesen Jahren den Mut hatten, für ihre Überzeugungen einzustehen. Unwillkürlich beschleicht einen der Gedanke, dass die unselige Historie der Folgezeit vielleicht ganz anders hätte verlaufen können, hätten die Frauen es damals noch radikaler geschafft, die männliche Dominanz aufzubrechen. Auf jeden Fall macht es Lust, sich mit der ein oder anderen berühmten Persönlichkeit noch ausführlicher zu beschäftigen.

Von Melena