Buchhandlung Gunzenhausen
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1919 – „Demian“ <br>von Hermann Hesse

1919 – „Demian“
von Hermann Hesse

Buch der Woche

1919 – im zweiten Halbjahr 2019 geht unser Blick 100 Jahre zurück. Denn am 26. September haben wir Herbert Kapfer zu Gast. Er wird aus seinem Buch „1919“ lesen. Ergänzt wird die Lesung durch Texte und Material aus Gunzenhausen, das Stadtarchivar Werner Mühlhäußer zusammenstellt. Bis dahin wollen wir euch einige Bücher vorstellen, die sich mit dieser Zeit beschäftigen. Außerdem machen wir eine kleine Umfrage zum Thema 100 Jahre Frauenwahlrecht. Kommt gerne vorbei und macht mit!

Diese Woche stellt Jutta einen Klassiker vor:

Bei der Frage, welche Bücher sind eigentlich im Jahr 1919 veröffentlicht worden, bin ich auf den allseits bekannten Hermann Hesse gestoßen und eines seiner bedeutendsten Bücher: Demian, die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend.

Mit Freude habe ich es nochmal gelesen!

Eine alte Ausgabe der farbigen suhrkamp Taschenbuchreihe hatte ich noch aus der Schulzeit. Interessant sind die Worte seines Zeitgenossen Thomas Mann auf der Rückseite: „Unvergeßlich ist die elektrisierende Wirkung, welche gleich nach dem Ersten Weltkrieg der „Demian“ jenes mysteriösen Sinclair hervorrief, eine Dichtung, die mit unheimlicher Genauigkeit den Nerv der Zeit traf und eine ganze Jugend, die wähnte, aus ihrer Mitte sei ihr ein Künder ihres tiefsten Lebens entstanden (während es schon ein Zweiundvierziger war, der ihnen gab, was sie brauchte), zu dankbarem Entzücken hinriß.“

Wie alle Hauptwerke Hermann Hesses hat auch der »Demian«, den der damals 40jährige Autor mitten im Ersten Weltkrieg schrieb, eine ebenso ungewöhnliche wie spannende Entstehungs- und Wirkungsgeschichte. Daß dieses im Herbst 1917 vollendete Buch erst im Juni 1919, ein halbes Jahr nach Kriegsende, veröffentlicht wurde, lag an der Unbekanntheit des Verfassers. Denn Hesse hatte das Manuskript dem Verlag als das Erstlingswerk eines kranken jungen Dichters empfohlen, des zeitkritischen Poeten Emil Sinclair, der bisher nur in Zeitungen und Zeitschriften durch pazifistische Mahnrufe und Erzählungen aufgefallen war (die gleichfalls von Hesse stammten). Doch trotz des Inkognitos erlebte das Buch eine geradezu stürmische Aufnahme und wurde noch im Erscheinungsjahr mit dem Fontane-Preis für das beste Erstlingswerk eines Nachwuchsautors ausgezeichnet. Thomas Mann verglich die elektrisierende Wirkung des Buches mit der von Goethes Werther, da es »mit unheimlicher Genauigkeit den Nerv der Zeit traf und eine ganze Jugend, die wähnte aus ihrer Mitte sei ihr ein Künder ihres tiefsten Lebens entstanden, zu dankbarem Entzücken hinriß«. Bis zur Entdeckung des Pseudonyms im Mai 1920 erschienen drei Auflagen, denen dann unter Hesses eigenem Namen zu seinen Lebzeiten noch 93 weitere folgten. Bis heute hat der »Demian« eine deutsche Gesamtauflage von über zwei Millionen Exemplaren erreicht und wurde in mehr als fünfzig Sprachen übersetzt.

Wir begleiten den jungen Emil durch seine Schul-und Jugendzeit bis ins Erwachsenenalter, erleben seine stufenweise Entwicklung, seine Gefühle und Unsicherheiten und erhalten so einen hervorragenden Einblick in die Jugendpsychologie. Eine wichtige Person ist dabei Max Demian, ein Sonderling, der ihm in einer schwierigen Situation zur Seite steht. Es entwickelt sich eine Freundschaft, auch eine Art Abhängigkeit, und zwischen den beiden entsteht im Laufe der Zeit eine geistige Verbundenheit.

Ein Zitat aus diesem Buch, das vor 100 Jahren erschienen ist, zeigt, dass es auch heute noch aktuell ist: „Nichts auf der Welt ist dem Menschen mehr zuwider als den Weg zu gehen, der ihn zu sich selber führt.“

Von Melena