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1919 – „Träumer – Als die Dichter die Macht übernahmen“ <br>von Volker Weidermann

1919 – „Träumer – Als die Dichter die Macht übernahmen“
von Volker Weidermann

Buch der Woche

1919 – im zweiten Halbjahr 2019 geht unser Blick 100 Jahre zurück. Denn am 26. September haben wir Herbert Kapfer zu Gast. Er wird aus seinem Buch „1919“ lesen. Ergänzt wird die Lesung durch Texte und Material aus Gunzenhausen, das Stadtarchivar Werner Mühlhäußer zusammenstellt. Bis dahin wollen wir euch einige Bücher vorstellen, die sich mit dieser Zeit beschäftigen. Außerdem machen wir eine kleine Umfrage zum Thema 100 Jahre Frauenwahlrecht. Kommt gerne vorbei und macht mit!

Diese Woche hat Jutta eine weitere Leseempfehlung für Euch:

„Träumer“ – der Titel hat mich neugierig gemacht! Und beim Lesen habe ich festgestellt, was vor 100 Jahren in München los war, das war mehr als interessant!

1918/19, Revolution in München – Räterepublik: Ernst Toller, Thomas Mann, Erich Mühsam, Rainer Maria Rilke, Oskar Maria Graf – alle sind vor Ort. Die Träume vieler Dichter von direkter Demokratie und sozialer Gerechtigkeit scheinen urplötzlich paradiesische Wirklichkeit zu werden. Der Funke der Hoffnung auf ein Kriegsende ist vom Matrosenaufstand in Kiel in kürzester Zeit auch in Bayern aufgeflammt. Beim Lesen erlebt man die Novemberrevolution, speziell die Nacht vom 7. auf den 8. November 1918, hautnah mit: Die Reden von Kurt Eisner, Gründungsmitglied der USPD, reißen die Menschen mit. Sie machen sich zu einem Triumphmarsch durch München auf. Eisner kommt durch den revolutionären Umsturz an die Macht, besetzt den Stuhl des Ministerpräsidenten und proklamiert den Freistaat. Alles in einer Nacht! Allerdings ist diese Macht nicht von Dauer. Im Februar wird er kurz vor seiner Rücktrittserklärung erschossen. Erst später wird er zum Symbol der bayrischen Revolution.

Im Buch kommen viele Zeitzeugen in Zitaten, Beobachtungen und Dokumentationen zu Wort: Oskar Maria Graf, auch als aktiver Versammlungsteilnehmer; Rainer Maria Rilke, der sich zurückhaltend verhält, aber hofft,dass die ‚Leuchtkraft des Geistes‘ hilft; Thomas Mann, deutschnational und kriegsbegeistert, steht der revolutionären Bewegung kritisch gegenüber; die Königsfamilie um Ludwig III., die fliehen muss.

Nach dem Tod von Eisner kommt es zu enormen Schwierigkeiten bei der Umbildung Bayerns in eine Räterepublik. Hauptfiguren waren der jüdische Dichter Ernst Toller, Erich Mühsam, Gustav Landauer, alles friedliebende Menschen und idealistische Revolutionäre. Sie glauben an das Gute im Menschen und wollen mit der Kraft der Literatur und den Ideen des Anarchismus einen neuen Anfang schaffen.

Volker Weidermann beschreibt den Putsch im April 1919, berichtet von der blutigen Befreiung durch die Weißen Truppen. Auch Adolf Hitler bleibt nicht unerwähnt. Er hatte zuerst ein Amt bei der Roten Armee inne und wechselte dann zur Weißen Armee, mit den verheerenden Folgen, die wir alle kennen.

Ein sehr informatives und spannendes Buch für geschichtlich und literarisch interessierte Leser!

Von Melena