Buchhandlung Gunzenhausen
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„Alles Licht, das wir nicht sehen“ <br>von Anthony Doerr

„Alles Licht, das wir nicht sehen“
von Anthony Doerr

Buch der Woche

Seit gut 25 Jahren – seit ich „Die Kinder aus Nr. 67“ von Lisa Tetzner mit etwa zehn Jahren gelesen habe – beschäftige ich mich lesend mit dem 3. Reich, mit dem Holocaust und vor allem mit dem Leid der Menschen im Krieg. Egal ob Anne Frank, Victor Klemperer oder die unzähligen namenlosen Opfer, die Vorbild für so viele Romanfiguren waren, jedes Mal aufs Neue zieht mich diese Zeit in ihren grausamen, erschreckenden Bann. Für mich gibt es kein „jetzt ist es genug“, denn in jeder Geschichte erkenne ich eine neue Facette des Schreckens, die nicht vergessen werden darf, weil ein Mensch gestorben ist, gequält wurde, das Liebste verloren hat. Ich habe nicht den Eindruck, dass wir genug aus der Geschichte gelernt haben, wenn Antisemitismus immer noch und wieder „salonfähig“ ist, wenn Nationalismus wieder „in“ ist oder wenn Krieg immer noch als ein Mittel der Wahl bei der Konfliktlösung gilt!

Ich habe also schon sicher hunderte Geschichten über die Kriegsjahre gelesen und doch schafft es immer wieder eine, mich ganz besonders tief zu bewegen, richtig zu erschüttern. In letzter Zeit waren es sogar zwei! „Die Nachtigall“ von Kirstin Hannah, die ich euch demnächst vorstellen will, und mein Buch der Woche „Alles Licht, das wir nicht sehen“ von Anthony Doerr. Doerr hat eine poetische – ja, ein Buch über den Krieg darf  poetisch sein! – Geschichte zweier Kinder geschrieben, die im Krieg auf unterschiedlichen Seiten stehen, die ihrer Kindheit und ihrer Zukunft beraubt werden und die sich doch Menschlichkeit bewahren. In seinem Roman erzählt Anthony Doerr kenntnisreich und in einer wunderschönen Sprache, kunstvoll miteinander verwoben, die Geschichte zweier Jugendlicher im Zweiten Weltkrieg, der blinden Marie-Laure, die mit ihrem Vater aus dem besetzten Paris nach Saint-Malo flieht, und des jungen Waisen Werner, der in der Wehrmacht eingesetzt wird. Unaufhaltsam treibt die Geschichte sie aufeinander zu, spannend, labyrinthisch und atemlos.

Dieses Buch ist ein traurig, mitreißender, zu Herzen gehender Lesegenuss! Und für alle, die nicht vergessen wollen, ein Muss!

Von Melena