Buchhandlung Gunzenhausen
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„Arminuta“ von Donatella di Pietrantonio

„Arminuta“ von Donatella di Pietrantonio

Buchhandlung am Färberturm

Nach dem Weihnachtstrubel und vor den vielen Neuerscheinungen des Frühlings arbeite ich gerade meine Bücherstapel auf dem Nachttisch ab – da sammelt sich im Laufe eines Jahres einiges an. Denn neben Büchern, die ich mir selbst kaufe und den Leseexemplaren der Verlage, bekomme ich von lieben Freundinnen und meiner Schwägerin, die einen sehr ähnlichen Lesegeschmack hat, ihre Lieblingsbücher weitergereicht, die dann immer nicht ganz so dringend sind. Zwischen diesen Stapeln versteckt sich manchmal ein echter Schatz – einer davon ist mein Buch der Woche: Arminuta von Donatella di Pietrantonio. Das kleine Büchlein ist so intensiv, dass mir die Traurigkeit und Verzweiflung dieses Mädchens bis in die Fingerspitzen gekrochen ist. Zugleich macht einen die zarte Liebe zu ihren „neuen“ Geschwistern in dieser rauen Welt auch Hoffnung. Ich war so versunken in dieses graue, arme Italien der 70er Jahre und in das Leben dieses Mädchens, in dem ich immer auch meine kleine Tochter gesehen habe, dass mich der Alltagstrubel um mich herum gar nicht erreichen konnte. In eine warme Decke gehüllt auf meinem Sofa, liefen mir eiskalte Schauer über den Rücken. Wie kann eine Mutter ihr Kind – auch wenn sie es „nur“ angenommen hatte – einfach zurückgeben?

Im Dorf nennen sie alle nur Arminuta, die Zurückgekommene. Warum hat man sie zu ihren leiblichen Eltern zurückgeschickt? Wer ist ihre Mutter? Die, die sie geboren hat, oder die, bei der sie aufgewachsen ist?
»Als Dreizehnjährige kannte ich meine andere Mutter nicht mehr.« So beginnt die Geschichte, in der ein junges Mädchen mit einem Koffer und einem Sack voller Schuhe bei einer ihr unbekannten Familie abgeliefert wird. Die echten Eltern wollten sie wieder haben, mehr haben ihr die, die sie bisher Vater und Mutter nannte, nicht erklärt. Niemand scheint auf sie gewartet zu haben, alle haben offensichtlich andere Sorgen. Das Essen ist knapp, die Neue muss sich das Bett mit der kleinen Schwester teilen und das Zimmer mit den drei Brüdern. Hier ist alles fremd, die Armut, der Schmutz, die harten Worte. Während sie einen Weg zurück in ihr behütetes Leben in dem kleinen Haus am Strand sucht, entwickeln sich neue Bindungen, zur mutigen Schwester, den Brüdern, der Mutter. Und sie beginnt zu verstehen, wie viele Facetten die Liebe haben kann. Donatella Di Pietrantonio erzählt in dieser ungewöhnlichen Familiengeschichte von Zugehörigkeit und Verantwortung, Verstrickungen und Mutterliebe und davon, was es bedeutet, den eigenen Platz im Leben zu finden. Poetisch, zart und unvergesslich.

So darf das Lesejahr 2019 gerne weitergehen!

Von Melena