Buchhandlung Gunzenhausen
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„Beinahe Herbst“ <br>von Marianne Kaurin

„Beinahe Herbst“
von Marianne Kaurin

Buch der Woche

Schon wieder ein Buch aus Norwegen, schon wieder ein Jugendbuch und schon wieder ein Buch über den Holocaust? JA! Ich lese seit weit über zwanzig Jahren Bücher über die Judenverfolgung, über die Schoah, über den Nationalsozialismus, über den zweiten Weltkrieg und nein, es ist nicht genug. Das sage ich gerade in dieser Woche mit voller Überzeugung! Immer wieder aufs Neue lese ich von Unmenschlichkeit und unvorstellbarem Leid und will mich daran erinnern. Denn wir müssen aufmerksam sein und bleiben. Und ich finde es besonders wichtig, unseren Kindern davon zu erzählen.

Natürlich sind meine zwei noch etwas klein, aber auch meine Sechsjährige ist schon einmal über einen Stolperstein „gestolpert“ und hat nachgefragt. Und ich habe ihr so ehrlich wie möglich erklärt, warum es wichtig ist, dass wir uns erinnern, uns verantwortlich fühlen. Warum wir aufpassen müssen, dass niemand behauptet, das könne nicht mehr passieren und es reiche jetzt mal mit dem Thema.

Auch für mich war es neu, wie sich die Situation in Norwegen darstellte. Von den etwa 2000 Juden im Land wurde mehr als ein Drittel deportiert. Nur 38 von ihnen überlebten den Holocaust. Etwa 1000 Juden konnten nach Schweden fliehen, viele weitere entkamen nach Großbritannien oder versteckten sich im Land.

Zum Buch

„Beinahe Herbst“ von Marianne Kaurin erzählt die Geschichte der jüdischen Familie Stern aus Sicht der beiden älteren Töchter Sonja und Ilse: von der Besatzung durch die Deutschen, über die immer schwieriger werdende Situation, zur Verhaftung der Männer und später auch der Frauen und Kinder, bis zu Ilses Flucht. Es ist aber auch ein Buch über die erste Liebe und die Pubertät. Es zeigt eine Familie, wie sie auch heute in unserer Nachbarschaft leben könnte. Gerade das macht es dem Leser schwer, die Augen zu verschließen. Denn er kann nicht so tun, als ginge ihn die Geschichte gar nichts an.

Ein Buch, das mir richtig weh getan hat, und das ist auch gut so!

Von Melena