Buchhandlung Gunzenhausen
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„Bogners Abgang“ <br>von Hans Platzgumer

„Bogners Abgang“
von Hans Platzgumer

Buch der Woche

Unser Buch der Woche kommt diesmal wieder von Tina:

Ich gebe es zu, allzu dicke Wälzer sind nicht so mein Ding. Da kam mir Hans Platzgumers neues, schmales Buch gerade recht, um meine neugierige Nase reinzustecken. Zumal er es auf äußerst unterhaltsame Art und Weise schafft, ein großes Thema auf gerade mal 144 Seiten zu präsentieren. In „Bogners Abgang“ geht es um nichts Geringeres als die Frage: Was beziehungsweise wer ist Schuld?
Geschickt verwebt der österreichische Autor die Wege seiner Protagonisten, die schicksalhaft in einer Nacht in Innsbruck zusammenlaufen, wo sich ein nächtlicher Unfall mit Fahrerflucht ereignet.

Da ist einmal die Studentin Nicole, die sich nicht recht wohlfühlt in der Stadt und daher gerne in ihre Bregenzer Heimat fährt. Nur ausnahmsweise hat sie an diesem Abend Alkohol getrunken, bevor sie sich ans Steuer setzt. Von Zweifeln, Ängsten und nahezu zerstörerischem Ehrgeiz geplagt ist Andreas Bogner, ein mehr oder weniger gescheiterter Künstler, der auf seinen Durchbruch wartet. Dieser aber wird ihm immer wieder von Kurt Niederer verwehrt, der als Kunstkritiker ein vernichtendes Urteil über Bogner fällt.
Wie schwer der missverstandene Künstler an dieser Kränkung trägt, wie sein neuestes Waffen-Kunstprojekt aus dem Ruder läuft und wie groß der Beschützerinstinkt einer Mutter sein kann, bringt Platzgumer eindrucksvoll zu Papier, ohne die Entscheidungen zu bewerten. Er lässt dem Leser vielmehr Raum, in das Seelenleben der handelnden Personen zu blicken und sich auch die Frage zu stellen: Was hätte ich getan? Wie groß ist die Schuld des Einzelnen, der, wie etwa Bogners Schwiegervater, am Rande ebenfalls seinen Teil zu den dramatischen Folgen dieser Nacht beigetragen hat?
Große Fragen, verpackt in ein kluges, sprachlich wertvolles und unbedingt lesenswertes Buch.

Von Melena