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„Das Land der Anderen“ <br>von Leïla Slimani

„Das Land der Anderen“
von Leïla Slimani

Buch der Woche

Diese Woche kommt einmal wieder ein Buch der Woche von Karin: Ich liebe Bücher über starke Frauen auf unkonventionellen Lebenswegen, gerne gewürzt mit orientalischer Exotik. Wenn sich das Ganze dann noch vor einem spannenden historischen Hintergrund abspielt, umso besser.

Ich bin also voll auf meine Kosten gekommen beim neuen Roman der franko-marokkanischen Autorin Leïla Slimani, deren Bücher sich in Frankreich wie geschnitten Brot verkaufen. Für den im Übrigen ebenfalls sehr lesenswerten Thriller „Dann schlaf auch du“ hat sie dort den renommierten Prix Goncourt erhalten.

Neuanfang in Marokko

Die Elsässerin Mathilde verliebt sich Hals über Kopf in einen marokkanischen Soldaten. Dieser kämpft in der Endphase des Zweiten Weltkriegs in Europa für die französische Armee. Geblendet von der Aussicht, der spießigen Heimat zu entfliehen, lässt sie sich spontan auf das Abenteuer einer Heirat mit dem gutaussehenden Mann ein und übersiedelt mit ihm nach Kriegsende nach Marokko. Dass ihre Vorstellung vom neuen Leben ziemlich blauäugig war, merkt sie schon bei dem vorübergehenden Aufenthalt bei der Schwiegerfamilie in der zentralmarokkanischen Stadt Meknès.

Der richtige Kulturschock erwartet sie dann in ihrem künftigen Domizil: der Farm ihres Mannes. Hier erwarten sie extremes Klima, unfruchtbarer Boden und ein Leben abseits der Zivilisation. Mischehen sind in diesem Umfeld nicht vorgesehen. Entweder man zählt sich zu den Einheimischen oder zu den Angehörigen der französischen Kolonialmacht. Obwohl sich Mathilde und ihr Mann aufrichtig lieben, werden sie doch zermürbt von den harten Lebensbedingungen und den Gegensätzen ihrer Herkunft und ihres Naturells. Auch der Versuch, die politischen Unruhen im Lande auszublenden, ist selbstredend zum Scheitern verurteilt. Der lauter werdende Ruf des Volkes nach Unabhängigkeit und Befreiung von der Kolonialmacht verlangt eine Positionierung, und das bei der Konstellation dieser Ehe!

Ein mitreißender Roman vor dem spannenden Hintergrund der jüngeren Geschichte Marokkos. Was mir auch hier wieder besonders gefallen hat, ist, dass zwar Mathilde als Hauptfigur den meisten Raum einnimmt, aber auch ihr Mann, ihre Tochter und einige weitere Nebendarsteller sozusagen zu Wort kommen und andere Perspektiven aufzeigen.

Das Ganze soll wohl der Auftakt zu einer Trilogie werden, was mich sehr freuen würde. Ich konnte richtig eintauchen in die Lebensgeschichte dieser beeindruckenden Frau. Hach, Corona hin, Corona her, was führen wir doch für ein beschauliches Leben…

Von Melena