Buchhandlung Gunzenhausen
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„Das Mädchen mit dem Fingerhut“ <br> von Michael Köhlmeier

„Das Mädchen mit dem Fingerhut“
von Michael Köhlmeier

Buch der Woche

In meinem persönlichen Lesejahr 2016 sind es bisher die männlichen Autoren, die mich besonders beeindrucken. Nach „Ein ganzes Leben“ ist mein Buch der Woche „Das Mädchen mit dem Fingerhut“ von Michael Köhlmeier wieder ein ganz leises, dünnes Büchlein – beinahe sprachlos, wie seine Hauptfigur. Aber ich merke, dass mir gerade diese Sprachlosigkeit ganz nah geht, denn sie lässt Raum für meine eigenen Vorstellungen und die sind bei diesem Buch sehr bedrückend. Ein kleines Mädchen in einem fremden Land, alleine gelassen vom „Onkel“. Das einzige Wort, das sie in der fremden Sprache kennt, ist „Polizei“ und sie hat gelernt, zu schreien und um sich zu schlagen, wenn sie es hört. In einem Kinderheim lernt es einen Jungen kennen, der seine Sprache spricht. Gemeinsam mit einem weiteren Jungen suchen sie ihr kleines Paradies: Ein leerstehendes Haus im Wald mit Lebensmittelvorräten – die Freiheit dort alleine zu leben. Die Kommunikation der drei findet nur über den älteren Junge statt, denn dieser spricht sowohl die Sprache des Mädchen als auch die des anderen Jungen. Und dann ist auch er nicht mehr da und man kann die gemeinsamen Worte der beiden Zurückgelassenen an einer Hand abzählen. Das alles erscheint aus der Perspektive des kleinen Mädchens ganz unspektakulär und beinahe unbeteiligt. Die Angst, die Härte, das Erschrecken vor der Wahrheit in dieser Geschichte entsteht nur in meinem Kopf und lässt mich trotzdem nicht mehr los.

Von Melena