Buchhandlung Gunzenhausen
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„Die Bagage“ <br>von Monika Helfer

„Die Bagage“
von Monika Helfer

Buch der Woche

Habt Ihr auch Sehnsucht? Sehnsucht nach den Bergen, nach einer anderen Welt, nach einem neuen Ausblick, einer neuen Geschichte? Und wollt Ihr gleichzeitig geerdet werden? Dann lest dieses Buch! Für mich war es das Eintauchen in eine längst vergessene Welt. Nicht immer schön sondern richtig schwer, aber geprägt von Liebe, Zusammengehörigkeit, Familie. Ich habe mich abwechselnd gefühlt wie bei meiner Oma in der Küche und wie im Südtirol-Urlaub.

Zum Buch

Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren Kindern am Rand eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Es ist die Zeit des ersten Weltkriegs und Josef wird zur Armee eingezogen. Die Zeit, in der Maria und die Kinder allein zurückbleiben und abhängig werden vom Schutz des Bürgermeisters. Die Zeit, in der Georg aus Hannover in die Gegend kommt, der nicht nur hochdeutsch spricht und wunderschön ist, sondern eines Tages auch an die Tür der Bagage klopft. Und es ist die Zeit, in der Maria schwanger wird mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Autorin. Mit großer Wucht erzählt Monika Helfer die Geschichte ihrer eigenen Herkunft.

Sie erzählt diese Geschichte in einer wunderbaren schörlellosen Sprache – ohne Pathos und doch mit sehr viel Gefühl. Sie schafft es auf 150 Seiten ganz tief unter die Haut zu kriechen. Ihre Geschichte legt man nicht mit dem Buch wieder weg. Und gerade aktuell macht sie einem sehr bewusst, wie gut wir es haben, in unseren warmen Wohnungen, satt und gelangweilt…

Von Melena