Buchhandlung Gunzenhausen
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„Die Nickel Boys“ <br>von Colson Whitehead

„Die Nickel Boys“
von Colson Whitehead

Buch der Woche

Sagt mal, wo rennt eigentlich der Sommer hin? Es war doch gerade erst Mai und ich habe mich über die ersten warmen Tage, aufs Freibad, den See, lauschige Abende im Garten (mit einem Buch natürlich) und viele Bücher von meiner „Sommerleseliste“ gefreut und jetzt habe ich den Eindruck, der Sommer ist schon fast vorbei und der Stapel auf meinem Nachttisch immer noch höher als das ganze Nachtkästchen. Und jetzt kommen schon wieder die Herbstneuerscheinungen, dabei habe ich Euch noch lange nicht alle tollen Bücher aus dem Frühlingsprogramm vorgestellt! Dazu gehören auf jeden Fall auch „Die Nickel Boys“ von Colson Whitehead.

Florida, Anfang der sechziger Jahre. Der sechzehnjährige Elwood lebt mit seiner Großmutter im schwarzen Ghetto von Tallahassee und ist ein Bewunderer Martin Luther Kings. Als er einen Platz am College bekommt, scheint sein Traum von gesellschaftlicher Veränderung in Erfüllung zu gehen. Doch durch einen Zufall gerät er in ein gestohlenes Auto und wird ohne gerechtes Verfahren in die Besserungsanstalt Nickel Academy gesperrt. Dort werden die Jungen missbraucht, gepeinigt und ausgenutzt. Erneut bringt Whitehead den tief verwurzelten Rassismus und das nicht enden wollende Trauma der amerikanischen Geschichte zutage. Sein neuer Roman, der auf einer wahren Geschichte beruht, ist ein Schrei gegen die Ungerechtigkeit.

Ich finde für dieses Buch muss es richtig warm sein! Denn sonst ist es kaum auszuhalten, wie kalt einem beim Lesen wird. Eine berührende Geschichte, die einen traurig und wütend zurücklässt und die gerade deswegen so lesenswert ist. Nach „Underground Railroad“ schreibt Colson Whitehead wieder ein Buch über den Rassismus in Amerika. Und leider reichen die 150 Jahre, die zwischen den Geschichten liegen, bei weitem nicht aus, um einen echten Schritt aus dem alltäglichen Rassismus zu sehen!

Von Melena