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„Drei Kameradinnen“ <br>von Shida Bazyar

„Drei Kameradinnen“
von Shida Bazyar

Buch der Woche

Welches Buch soll ich Euch diese Woche vorstellen? Das frage ich mich seit Tagen. Seit letzten Donnerstag am frühen Morgen in allen Medien die Meldungen über den Krieg in der Ukraine gleich nach dem Aufwachen in meinen Alltag eindrangen und sich seither jeden Tag mehr dort ausbreiten. Keine leichte Unterhaltung, keine Ablenkung, keine Realitätsflucht sollte es sein. Aber ein Kriegsroman kommt mir gerade auch falsch vor. Schließlich habe ich mich für „Drei Kameradinnen“ von Shida Bazyar entschieden, weil es mich wachgerüttelt hat, weil es um Feminismus und Rassismus geht und weil ich überzeugt bin, dass dies Themen sind, die gerade jetzt nicht in den Hintergrund geraten dürfen!

Was Freundschaft bedeutet, wenn die Gegenwart Feuer fängt

In ihrem neuen Roman erzählt Shida Bazyar voller Wucht und Furor von den Spannungen und Ungeheuerlichkeiten der Gegenwart – und von drei jungen Frauen, die zusammenstehen, egal was kommt. Seit ihrer gemeinsamen Jugend in der Siedlung verbindet Hani, Kasih und Saya eine tiefe Freundschaft. Nach Jahren treffen die drei sich wieder, um ein paar Tage lang an die alten Zeiten anzuknüpfen. Doch egal ob über den Dächern der Stadt, auf der Bank vor dem Späti oder bei einer Hausbesetzerparty, immer wird deutlich, dass sie nicht abschütteln können, was jetzt so oft ihren Alltag bestimmt: die Blicke, die Sprüche, Hass und rechter Terror. Ihre Freundschaft aber gibt ihnen Halt. Bis eine dramatische Nacht alles ins Wanken bringt.

Shida Bazyar zeigt in aller Konsequenz, was es heißt, aufgrund der eigenen Herkunft immer und überall infrage gestellt zu werden. Aber auch, wie sich Gewalt, Hetze und Ignoranz mit Solidarität begegnen lässt.

»Drei Kameradinnen« ist ein aufwühlender, kompromissloser und berührender Roman über das außergewöhnliche Bündnis dreier junger Frauen – und das einzige, das ein selbstbestimmtes Leben möglich macht in einer Gesellschaft, die keine Andersartigkeit duldet: bedingungslose Freundschaft. Aber es ist auch ein Buch, das mich als Leserin aufgerüttelt, hinterfragt, mir weh getan hat.

Ein Buch das mich verwirrt zurückgelassen und gerade deswegen meine eigene Haltung neu geformt hat. Es hat meinen Rassismus, von dem ich so sicher war, dass er nicht vorhanden ist,  offengelegt. Das tut weh, bietet mir aber die Chance, mich zu hinterfragen und mich zu verändern. Gerade deswegen ist dieses Buch so wertvoll. Auch und gerade in Zeiten wie diesen!

Von Melena