Buchhandlung Gunzenhausen
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„Ein erhabenes Königreich“<br> von Yaa Gyasi

„Ein erhabenes Königreich“
von Yaa Gyasi

Buch der Woche

Vor einigen Jahren habe ich „Heimkehren“ von Yaa Gyasi in unserer Bücherei entdeckt. Es war der Abend einer Veranstaltung und ich hatte ein paar Minuten Zeit zu stöbern. Ich habe das Buch zur Hand genommen, angefangen zu lesen und konnte nicht aufhören. So besonders, so berührend und so erhellend war es für mich.

Nun also „Ein erhabenes Königreich“. Und ist es nicht eigentlich unfair, dass gerade Bücher von Autor*innen, deren letztes Buch man besonders gerne gelesen hat, die höchsten Hürden nehmen müssen. Nach einem besonderen Buch will man auf der einen Seite genau das wieder. Aber es soll einen ja trotzdem überraschen, neu herausfordern.

Darum geht es diesmal

Mit dem Auftauchen ihrer Mutter, die sich ins Bett legt und auf nichts mehr reagiert, kehren in Gifty die schmerzhaftesten Kindheitserinnerungen zurück: das Verschwinden des Vaters, der in seine Heimat Ghana zurückging, der Tod des geliebten Bruders und die Depression der Mutter angesichts dieser Verluste.

Ihre Familiengeschichte hat dazu geführt, dass Gifty als erwachsene Frau ihren Glauben gegen die Neurowissenschaften eingetauscht hat. Sie ist davon überzeugt, dass sich Depression und Abhängigkeit, und damit Trauer und Leid, durch entsprechende Behandlung verhindern lassen. Doch die Angst um ihre Mutter, die fest verankert in ihrer Religion stets allen Schwierigkeiten im weißen Amerika gewachsen war, lässt Gifty an beidem zweifeln: Kann nur die unbestechliche, aber seelenlose Wissenschaft ihr die Mutter zurückbringen oder gelingt das allein den herzerwärmenden Erlösungsversprechen der Kirche?

Was soll ich sagen? Ja, Giftys Geschichte hat mich überrascht. Es ist ein ganz neuer Blick auf Rassismus, auf eine Familie, die längst zerbrochen ist. Für Giftys Mutter war es eine bewusste Entscheidung aus Ghana nach Amerika zu gehen. Diese Entscheidung hat sie ihre Ehe und das Leben ihres Sonnes gekostet. Aber war sie deswegen falsch?

Nicht zuletzt hat mich aber die „wissenschaftliche Seite“ des Romans beeindruckt. Gifty will an Mäusen herausfinden, ob Sucht heilbar ist. Das ist spannend  und gleichzeitig sehr aktiv. Denn Gifty will nicht Opfer der Umstände, des Systems sein – sie will etwas ändern. Ein beeindruckendes Buch – ganz anders als „Heimkehren“, aber gerade deswegen besonders lesenswert!

 

Von Melena