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„-F-r-a-u-e-n- Literatur“<br>von Nicole Seifert

„-F-r-a-u-e-n- Literatur“
von Nicole Seifert

Buch der Woche

Nicht erst einmal wurde mir hier im Laden (natürlich von Männern) vorgeworfen, dass meine Auswahl an Büchern „Frauenlastig“ sei. Dabei bin ich sicher, dass ein objektive Zählung (nein ich habe nicht nachgezählt) eine Quote von mindestens 50 Prozent Autoren ergeben würde. Leider! Denn ja, ich bemühe mich wirklich sehr, diesem Standard entgegenzuarbeiten. Daher lese ich in den letzten Jahren sehr bewusst und immer mehr Literatur von Frauen.

Ob ich damit nicht etwas verpasse? Die „richtige“ Literatur? Ja sicher, ich verpasse die männliche Sicht auf die Welt. Aber die habe ich in den letzten 30 Lesejahren ja ausgiebig kennengelernt. Denn in Schule, Studium und davon geprägt auch in der privaten Leseauswahl habe ich mir – ohne es zu hinterfragen – die Welt von Männern erklären lassen. Ihre Sicht kenne ich nun also zur Genüge. Mit wenigen bewussten Ausnahmen lese ich nun also in erster Linie Frauen Literatur!

Und warum streiche ich Frauen jetzt auch noch durch? Dazu lest Ihr am besten Frauen Literatur“ von Nicole Seifert:

»Banal, kitschig, trivial« – wenn wir Schriftstellerinnen weiter abwerten, verpassen wir das Beste!

Sollte das Geschlecht des Schreibenden eine Rolle spielen bei der Lektüreauswahl? Natürlich nicht, würden wohl die meisten sagen. Und doch werden literarische Werke von Frauen seltener verlegt, besprochen und mit Preisen versehen. Das muss ein Ende haben. Nicole Seifert liefert das Buch zur Debatte – klug, fundiert und inspirierend.

Banal, kitschig, trivial – drei Adjektive, mit denen das literarische Schaffen von Frauen seit Jahrhunderten abgewertet wird. Während Kriktiker Autoren feiern, die tausende von Seiten mit Alltagsbeschreibungen füllen. Schriftstellerinnen, die Ähnliches unternehmen, wird dagegen Befindlichkeitsprosa vorgeworfen. Nicole Seifert ist angetreten, die frauenfeindlichen Strukturen im Literaturbetrieb aufzuzeigen. Denn von vielen von Frauen verfassten Büchern hören wir erst gar nicht. Zeitungs-, Radio- und Fernsehredaktionen und noch davor Buchverlage treffen eine entsprechende Vorauswahl.

Vom Deutschunterricht bis zum Germanistikstudium ist der Autorinnenanteil noch immer verschwindend gering, und so lernen wir von Anfang an: Was literarisch wertvoll ist, stammt von Männern. Nachdem Nicole Seifert drei Jahre lang ausschließlich Literatur von Frauen – Klassiker wie Zeitgenössisches, Bekanntes wie Unbekannteres – gelesen hat, ist klar: Die vielbeschworene »Qualität« ist nicht das Problem. Im Gegenteil: Wir verpassen das Beste, wenn wir in unseren Bücherregalen nicht endlich eine Frauenquote einführen.

 

Von Melena