Buchhandlung Gunzenhausen
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„Für diesen Sommer“ <br>von Gisa Klönne

„Für diesen Sommer“
von Gisa Klönne

Buch der Woche

Eigentlich der klassische historische Roman: Die verstoßene Tochter kehrt zum alten und kranken Vater zurück, nach und nach finden beide wieder zueinander und der Leser erfährt ganz nebenbei von der bewegten Vergangenheit. Also alles „wie immer“? Nein. Denn die Figuren, denen Gisa Klönne in „Für diesen Sommer“ Leben einhaucht, sind irgendwie echter, dreidimensional, liebenswert und streitbar. Mit großer Wärme erzählt sie von Hoffnung und Scheitern, verpassten Chancen und dem schwierigen Weg zur Versöhnung.

Einst schien das Glück der Familie Roth so selbstverständlich wie der Flug der Leuchtkäfer in den Sommernächten im Garten. Jetzt ist Vater Heinrich alt und allein. Ausgerechnet Franziska, die Tochter, mit der er sich überworfen hat, soll für ihn sorgen. Ihr Lebenstraum ist gescheitert – genau wie Heinrich das stets prophezeit hatte. Doch auch sein Konzept ging nicht auf. Er, der stets alles kontrollieren wollte, muss das Loslassen lernen. Die ungewohnte Nähe schürt die nie gelösten Konflikte von Neuem. Zugleich erwachen Erinnerungen an die hellen Tage. Wie damit leben, dass all das unwiederbringlich vorbei ist?

Mich verbindet mit diesem Buch eine sehr besondere Beziehung. Ich war von Anfang an skeptisch, hatte eigentlich nicht wirklich Lust auf „noch ein Buch mit deutscher Flucht- und Nachkriegsgeschichte“ und trotzdem musste ich es lesen. Als würde ich davon angezogen und könnte mich nicht wehren. Im Nachhinein hat es mich sehr an einen Teil meiner Familiengeschichte erinnert – vielleicht konnte ich es deswegen nicht links liegen lassen. Ein Buch, das mich gefunden hat, das mich überzeugen musste – und es geschafft hat!

Von Melena