Buchhandlung Gunzenhausen
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„In diesen Sommern“ <br>von Janina Hecht

„In diesen Sommern“
von Janina Hecht

Buch der Woche

Ich war im Urlaub – zwei Wochen ohne Buchhandlung, dafür mit vielen Büchern. Die ersten beiden habe ich gleich mal abgebrochen – das eine zu düster, das andere zu seicht. Dann kam „In diesen Sommern“ von Janina Hecht und es ist zwar eben gar kein Urlaubsbuch, dafür aber umso intensiver! Janina Hecht hat mich in die Urlaube meiner Kindheit zurückgeholt und gleichzeitig eine erschreckend andere Geschichte erzählt.

Die Sommer ihrer Kinderheit

„Mein Vater, wie er ganz ruhig den Tag beginnt, nicht ausgeglichen, aber stabil. Nie schrie er am Beginn des Tages, er ging mit vorsichtigen Schritten, manchmal etwas Weiches in seinem Gesicht. Als hätte sich erst danach etwas verändert, als führten erst der Mittag und der Nachmittag in eine andere Richtung, und an jedem Morgen hätte es die Möglichkeit zu einem anderen Verlauf der Geschichte gegeben, die ich schreibe.“

Behutsam tastet sich Teresa an ihre Kindheit und Jugend heran, ihr Blick in die Vergangenheit ist vorsichtig geworden. Erste unsichere Versuche auf dem Fahrrad an der Seite des Vaters, lange Urlaubstage im Pool mit dem Bruder, Blumenkästen bepflanzen mit der Mutter in der heißen Sommersonne. Doch die unbeschwerten Momente werden immer wieder eingetrübt von Augenblicken der Zerrüttung, von Gefühlen der Hilflosigkeit und Angst. Da schwelt etwas Unausgesprochenes in dieser Familie – alle scheinen machtlos den Launen des Vaters ausgeliefert zu sein, Situationen beginnen gefährlich zu entgleisen. Ebenso unaufdringlich wie fesselnd erzählt Janina Hecht von schönen und schrecklichen Tagen, von Ausbruch und Befreiung und vom Versuch, sich im Erinnern dem eigenen Leben zu stellen. „In diesen Sommern“ ist die bewegende Geschichte einer Familie auf der unentwegt gefährdeten Suche nach einem stillen Glück.

Viele Szenen in diesem Buch  kamen mir unheimlich vertraut vor. Die Autorin und ich sind im gleichen Jahr geboren – vielleicht erklärt sich so, dass mich die Urlaubsziele, sogar die Hotels  sehr an diejenigen aus meiner eigenen Kindheit erinnerten. Gerade dadurch ging mir Teresas Geschichte, die Geschichte ihres alkoholkranken Vaters, besonders nahe. Es ist die Geschichte zerstörten Glücks, zerstörter Hoffnung. Janina Hecht erzählt sie sehr leise, unaufgeregt und feinfühlig. Ihr ist ein wunderbares literarisches Debüt gelungen. Kein Sommerbuch, aber unbedingt lesenwert!

Von Melena