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„Jaffa Road“ <br>von Daniel Speck

„Jaffa Road“
von Daniel Speck

Buch der Woche

Karin und ich sind uns einig. „Jaffa Road“ von Daniel Speck ist richtig gut! Uns haben bisher zwar alle seine Bücher gefallen: „Bella Germania“ war noch bei aller Tragik weitaus mehr ein „Wohlfühlroman“. In „Piccola Sicilia“ spielte dann der 2. Weltkrieg eine große Rolle, vor allem das Schicksal der jüdischen Bewohner Tunesiens.

„Jaffa Road“ ist aber noch viel mehr! Es ist ein hervorragend recherchierter historischer Roman, der einen tiefen Einblick in den Nah-Ost-Konflikt gibt. In „Jaffa Road“ wird das Schicksal der Hauptpersonen aus „Piccola Sicilia“ fortgesponnen. Nach dem Selbstmord ihres Vaters stellen sich drei Geschwister die Frage: „Wer war Maurice/Moritz wirklich?“ Stück für Stück setzten die drei die Puzzleteile zusammen, aus denen das Leben ihres Vaters bestand. Die Spurensuche führt zurück in die Stadt Haifa ins Schicksalsjahr 1948, das Jahr der Staatsgründung Israels. Dorthin flieht der ehemalige deutsche Soldat Moritz mit seiner neuen jüdischen Familie aus Tunis. Aber das ist erst der Anfang.

Dass Daniel Speck als erfolgreicher Drehbuchautor vom Fernsehen kommt, ist kein Nachteil. Im Gegenteil: Er hat sehr lebendige Figuren geschaffen, deren Schicksale berühren. Natürlich ist es ein Konstrukt, dass die drei Nachkommen, bzw. die drei Leben von Moritz stellvertretend für Judentum, Islam und Christentum, bzw. für die großen Konfliktparteien im Nahen Osten stehen. Aber das hat, ehrlich gesagt, nicht im Geringsten gestört. Auf diese Art und Weise, durch die verschiedenen Blickwinkel, wird sehr plastisch erfahrbar, wie vertrackt dieser große Konflikt unserer Zeit wirklich ist. Wie weit in die Vergangenheit die Verletzungen reichen und wieviel Tragik damit verbunden war und ist. Und dass Unrecht zwangsläufig Unrecht nach sich zieht. Kurz nachdem Karin das Buch fertig gelesen hatte, ging es wieder los – oder hatte es überhaupt aufgehört?

Deswegen ist „Jaffa Road“ für uns aktuelle Pflichtlektüre! Weil man die Geschichte des Nahen Ostens, in Vergangenheit und Gegenwart, auf eine Art und Weise liest, wie es durch keine Nachrichtensendung und keinen politischen Bericht möglich ist. Gleichzeitig ist „Jaffa Road“ auch eine wahnsinnig bunte Geschichte aus einer faszinierenden Welt, voller unterschiedlicher Menschen, die man einfach gar nicht mehr aus der Hand legen mag.

Von Melena