Buchhandlung Gunzenhausen
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„Mittagsstunde“ <br>von Dörte Hansen

„Mittagsstunde“
von Dörte Hansen

Buch der Woche

Auf den letzten Metern kommt hier vielleicht mein Lieblingsbuch 2018 daher! Auch wenn mir Christian heute morgen erzählt hat, dass es in der Kritik schlecht weggekommen sei. Ganz ehrlich, das ist mir total und so was von egal 😉 Ich liebe dieses Buch! Dabei bin ich bei neuen Büchern von Autoren, deren erstes/letztes Buch ich gerne gelesen habe wie Dörte Hansens „Altes Land“ immer etwas skeptisch. Wie oft bin ich schon enttäuscht worden, weil meine Erwartung zu groß war. Hier ist es ganz anders. „Mittagsstunde“ ist auf der einen Seite so anders, besonders, liebevoll, skuril, echt und zugleich doch so ähnlich wunderbar wie „Altes Land“. Schwierig dieses Gefühl zu beschreiben. Vielleicht trifft es am ehesten das Wort „heimkommen“. Zu Hause ist nicht perfekt, aber es ist authentisch. Die Personen haben Fehler und doch lieben wir sie. In dieses Buch habe ich mich richtig hineingelebt, ich bin darin versunken, habe von Herzen gelacht und geweint und war am Ende traurig – einfach weil es vorbei war.

Und auch wenn Brinkebüll, der Ort in dem „Mittagsstunde“ spielt, auf Deutschland bezogen kaum weiter entfernt von unserem idyllischen mittelfränkischen Hinterland entfernt sein könnte, ist es mir doch unglaublich nah. Brinkebüll ist irgendwie der Ort, in dem meine Oma lebte und eben doch wieder nicht. Dieses Buch beschreibt das Verschwinden einer Welt, wie sie meine Großeltern gelebt haben, wie ich sie in meiner Kindheit noch kurz erschnuppern durfte, und die nun nicht mehr da ist. Egal ob in Franken oder in Nordfriesland. Das ist traurig, das ist der Lauf der Zeit und das ist auch schön, denn es werden so viele Erinnerungen wach.

Zum Inhalt: Die Wolken hängen schwer über der Geest, als Ingwer Feddersen, 47, in sein Heimatdorf zurückkehrt. Er hat hier noch etwas gutzumachen. Großmutter Ella ist dabei, ihren Verstand zu verlieren, Großvater Sönke hält in seinem alten Dorfkrug stur die Stellung. Er hat die besten Zeiten hinter sich, genau wie das ganze Dorf. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung erst die Hecken und dann die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und den Alten mit dem Gasthof sitzen ließ? Mit großer Wärme erzählt Dörte Hansen vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt, von Verlust, Abschied und von einem Neubeginn.

Ach ja, falls es nocht nicht ganz klar geworden ist, dieses Buch solltet Ihr unbedingt lesen!

 

Von Melena