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„Nebenan“ <br>von Kristine Bilkau

„Nebenan“
von Kristine Bilkau

Buch der Woche

Die größte Kunst ist es, etwas zu erzählen, ohne es auszusprechen. „Nebenan“ erzählt so vieles, das nirgends geschrieben steht, aber mir doch beim Lesen ganz deutlich vor Augen stand. Aber natürlich gibt es auch die Geschichte, die hier aufgeschrieben ist:

Ein kleiner Ort am Nord-Ostsee-Kanal, zwischen Natur, Kreisstadt und Industrie, kurz nach dem Jahreswechsel. Mitten aus dem Alltag heraus verschwindet eine Familie spurlos. Das verlassene Haus wird zum gedanklichen Zentrum der Nachbarn: Julia, Ende dreißig, die sich vergeblich ein Kind wünscht, die mit ihrem Freund erst vor Kurzem aus der Großstadt hergezogen ist und einen kleinen Keramikladen mit Online-Shop betreibt. Astrid, Anfang sechzig, die seit Jahrzehnten eine Praxis in der nahen Kreisstadt führt und sich um die alt gewordene Tante sorgt. Und dann ist da das mysteriöse Kind, das im Garten der verschwundenen Familie auftaucht.

Sie alle kreisen wie Fremde umeinander, scheinbar unbemerkt von den Nächsten, sie wollen Verbundenheit und ziehen sich doch ins Private zurück. Und sie alle haben Geheimnisse, Sehnsüchte und Ängste. Ihre Wege kreuzen sich, ihre Geschichten verbinden sich miteinander, denn sie suchen, wonach wir alle uns sehnen: Geborgenheit, Zugehörigkeit und Vertrautheit.

Kristine Bilkaus Roman hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Die Figuren waren mir auf eine Art sehr nah und gleichzeitig unnahbar. „Nebenan“ ist spannend, ohne dass viel passiert. Oder besser gesagt, die Spannung entsteht mit dem was fehlt! Wem das zu kryptisch erscheint, der muss dieses wunderbare Buch unbedingt lesen! Und alle anderen auch – sowieso!

Von Melena