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„Ohne Rücksicht auf Verluste“ <br>von Moritz Tschermak und Mats Schönauer

„Ohne Rücksicht auf Verluste“
von Moritz Tschermak und Mats Schönauer

Buch der Woche

Aus gegebenen Anlass stelle ich heute mal wieder ein Sachbuch vor. Und eigentlich will ich Euch gar nicht zu viel daraus verraten. Denn dieses Buch müsst Ihr ohnehin selbst lesen! Glaubt mir!

Gerade nachdem Julian Reichelt seinen Posten als Chefredakteur räumen musste, ich es wichtig, das System „Bild“ zu kennen. Denn mit einer einzelnen Personalie wird sich leider rein gar nichts ändern. Ja, Julian Reichelt kommt in „Ohne Rücksicht auf Verluste“ von Moritz Tschermak und Mats Schönauer nicht gut weg. Aber die beiden Autoren, die sich seit vielen Jahren auf ihrem Bildblog intensiv mit der Bild auseinandersetzen, zeigen eben auch sehr deutlich wie die Bild-Zeitung und der Springer-Verlag insgesamt arbeiten. Vieles davon ist bekannt, vieles ist schlicht menschenverachtend und schürt Hass. Beim Lesen bin ich zwischen Traurigkeit und Wut gar nicht aus dem Kopfschütteln heraus gekommen.

Was mich am meisten erschreckt hat, war aber, dass viele andere Medien oft ohne eigene Recherche Meldungen der Bild-Zeitung übernehmen. So gelangen Übertreibungen und Polemisierungen, aber eben auch Falschmeldungen, Verleumdungen und bewusste Desinformation an ein breites Publikum. Was einmal in der Welt ist wird so schnell nicht vergessen. Ich selbst habe jenseits der Tankstellentheken noch nie eine Bildzeitung gelesen – und trotzdem sind mir viele der Schlagzeilen bekannt vorgekommen. Das hat mich sehr beschäftigt. Dabei halte ich mich doch eigentlich für einen aufgeklärten und aufmerksamen Medien-Konsumenten, der Meldungen auch hinterfragt. Besonders aufmerken ließ mich dann auch die Verleumdung von Peter Lustig, dem „Löwenzahn“-Moderator meiner Kindheit. In einer stark verkürzten Darstellung eines Interviews hat ihm die Bild-Zeitung den Stempel „Kinderfeind“ aufgedrückt. Diesen hat er bis zu seinem Lebensende behalten. Und irgendwo in meinem Hinterkopf hatte ich das eben genau so abgespeichert. Gerne würde ich mich dafür bei ihm entschuldigen!

Dieses Buch ist ein Muss! Kommt vorbei – kauft es – lest es – und lasst uns darüber reden!

Von Melena