Buchhandlung Gunzenhausen
Blog
„Stella“ <br>von Takis Würger

„Stella“
von Takis Würger

Buch der Woche

Mal ganz unter uns – ich finde Takis Würger toll! Also nicht nur, weil ich sein erstes Buch „Der Club“ richtig gut fand, sondern auch, weil er bei uns gelesen hat, weil er hier in meinem kleinen Lädchen stand, weil er sich in meinen Mini gequetscht hat, mit dem Buchhandlungsbaby und seinem Riesenkoffer auf der Rückbank und wirklich wenig Beinfreiheit für einen Zweimeter-Mann, weil er auf Instagram einen so süßen Beitrag über mein Baby gepostet hat, und weil wir uns richtig gut unterhalten haben. Das nur vorweg, denn ich bin sicher nicht unvoreingenommen, wenn es um sein neues Buch „Stella“ geht 😉 Aber trotzdem finde ich, dass auch Ihr „Stella“ lesen solltet! Und wenn es nur darum geht, Euch bei all der geballten Kritik in den Feuilletons ein eigenes Bild zu machen.

Es ist 1942. Friedrich, ein stiller junger Mann, kommt vom Genfer See nach Berlin. In einer Kunstschule trifft er Kristin. Sie nimmt Friedrich mit in die geheimen Jazzclubs. Sie trinkt Kognak mit ihm und gibt ihm seinen ersten Kuss. Bei ihr kann er sich einbilden, der Krieg sei weit weg. Eines Morgens klopft Kristin an seine Tür, verletzt, mit Striemen im Gesicht: „Ich habe dir nicht die Wahrheit gesagt.“ Sie heißt Stella und ist Jüdin. Die Gestapo hat sie enttarnt und zwingt sie zu einem unmenschlichen Pakt: Wird sie, um ihre Familie zu retten, untergetauchte Juden denunzieren? Eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht – über die Entscheidung, sich selbst zu verraten oder seine Liebe.

Auch ich habe einige Punkte, die mir bei „Stella“ nicht so gut gefallen haben. Zum Beispiel diese schwache Männerfigur, die so naiv und passiv ist, dass es mich manchmal schon fast genervt hat. Aber ich finde auch, dass Stella so auf eine Art dargestellt wird, die es mir nicht so leicht gemacht hat, sie zu verurteilen. Ich finde Takis macht es sich nicht zu einfach, wie er sich der Geschichte nähert, sondern er überlässt es dem Leser ein Urteil zu fällen. Das ist nicht leicht, aber leicht muss Literatur auch nicht sein!

Von Melena