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„Terra di Sicilia. Die Rückkehr des Patriarchen“ <br>von Mario Giordano

„Terra di Sicilia. Die Rückkehr des Patriarchen“
von Mario Giordano

Buch der Woche

Am 18. Mai dürfen wir nach langer Pause endlich wieder einen Autor für eine Lesung begrüßen. Mario Giordano liest im Söller in Weißenburg. Karin hat Mario Giordanos Buch gelesen. Schließlich ist sie unsere Italien-Expertin:

Mario Giordano, der Name klingt schon wie Musik, und das Kopfkino lässt unwillkürlich Bilder von Zitrushainen vor blauem Meer aufploppen. Soweit das Klischee, mit dem wohl hierzulande alle Träger italienisch klingender Namen klarkommen müssen. Dabei ist der Autor 1963 in München geboren. Er hat sein ganzes Leben in Deutschland verbracht und, wie ich kürzlich einem Radiointerview entnommen habe, Italienisch als Fremdsprache lernen müssen. Bislang hat er seine Brötchen auch eher als Drehbuchautor verdient und zeichnet damit für einige „Tatort“-Episoden verantwortlich. Nichtsdestotrotz verweist der Name natürlich auf familiäre Wurzeln im Sehnsuchtsland. So stammte der Vater aus Sizilien. Nachdem er schon „Tante Poldi“ dort einige Abenteuer erleben ließ, folgt nun nun nach ausführlicher Recherche das Familienepos„Terra di Sicilia“. „Die Rückkehr des Patriarchen“ bildet den Beginn und beruht lose auf der Lebensgeschichte seines, ich glaube, Urgroßvaters.

Und darum geht es

Rückkehr bedeutet in diesem Fall interessanterweise nicht die Rückkehr ins Heimatland, also nach Sizilien. Vielmehr kommt Barnaba Carbonaro Anfang der Sechzigerjahre wieder nach München zu seiner dort lebenden Familie.

Rückblende: Ende des neunzehnten Jahrhunderts in Taormina unter ärmlichsten Bedingungen geboren, ist er fest entschlossen, sich seinem scheinbar vorgegebenen Schicksal zu entziehen. Er will es zu Reichtum bringen und eine Familiendynastie gründen. Sein eiserner Wille, seine Bauernschläue und eine gehörige Portion Mut ermöglichen ihm tatsächlich die Verwirklichung seiner Träume. Schlussendlich macht er, der nie lesen und schreiben gelernt hat, sein Glück und ein erhebliches Vermögen als Zitrushändler auf dem Münchner Großmarkt. Er zeugt vierundzwanzig Kinder, von denen allerdings nur sieben überleben. Er verliert sein gesamtes Vermögen wieder und kehrt, ungebrochen wie eh und je, nach Sizilien zurück, während seine Familie in Deutschland zurückbleibt.

„Die Rückkehr des Patriarchen“ ist gut zu lesen, die Story interessant, eben weil Barnaba Carbonaro so antizyklisch zur klassischen Gastarbeitergeschichte unterwegs ist. Das harte Leben der armen sizilianischen Bevölkerung, die politischen Umbrüche im Zuge der Vereinigung Italiens, die Atmosphäre auf dem Münchner Großmarkt zu Beginn des letzten Jahrhunderts, als wirklich die ersten Ladungen mit bis dahin praktisch unbekannten Früchten aus dem Süden ankamen, die aufziehende Bedrohung durch die Nazis, all das bringt Giordano anschaulich rüber. Ein Familienepos, das Vergnügen macht. Und Lust auf den nächsten Sizilienurlaub sowieso. Bis dahin haben wir ja Zitronen und Orangen aus dem Supermarkt…

Von Melena