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„Vox“ <br>von Christina Dalcher

„Vox“
von Christina Dalcher

Buch der Woche

Ohne „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood, das ich für einen Lesekreis lesen „musste“, hätte ich sicher niemals zu meinem Buch der Woche „VOX“ von Christina Dalcher gegriffen. Es gehört einfach nicht zu meinen üblichen Genres (übrigens ein riesiger Vorteil der Lesekreis, dass man gezwungen ist auch einmal etwas Neues auszuprobieren ;)). Doch ich habe Atwoods verstörende Zukunftsvision mit einer Mischung aus Abscheu und Wut, aber sehr interessiert gelesen und es hat mich nicht mehr losgelassen. Und „VOX“ ist nicht nur eine interessante Ergänzung, weil es eine weitere Zukunftsvision beschreibt, für mich persönlich trifft Dalcher einen entscheidenden Punkt: Indem sie den Frauen den Mund verbietet, beschreibt sie ganz deutlich die Macht der Sprache!

Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.

Schon bald kann Jean ihren Beruf als Wissenschaftlerin nicht länger ausüben. Schon bald wird ihrer Tochter Sonia in der Schule nicht länger Lesen und Schreiben beigebracht. Sie und alle Mädchen und Frauen werden ihres Stimmrechts, ihres Lebensmuts, ihrer Träume beraubt.

Für Sonia und alle entmündigten Frauen will Jean sich ihre Stimme zurückerkämpfen.

Ich persönlich hätte der Schluss nicht ganz so viel Action gebraucht, aber Dalchers Idee ist ein eindringlicher Apell für die Gleichberechtigung und gerade mit ihrer Beschreibung der kleinen Sonia hat sie mich richtig getroffen! Denn könnte ich mit 100 Worten am Tag auskommen? Eher nicht, wer mich kennt, weiß das. Aber könnte ich zulassen, dass meiner Tochter der Mund verboten wird? Auf keinen Fall!

Ich finde „VOX“ ist nicht nur für Fans feministischer Dystopien ein lesenswerter und spannender Blick in eine mögliche Zukunft, die wir auf jeden Fall verhindern müssen.

Von Melena