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„Was soll an meiner Nase bitte jüdisch sein?“ <br>von Thomas Meyer

„Was soll an meiner Nase bitte jüdisch sein?“
von Thomas Meyer

Buch der Woche

Es war einmal im Geschichtsuntericht am örtlichen Gymnasium. Keine Ahnung, in welcher Klasse. Keine Ahnung, welcher Lehrer. Das Bild des „typischen Juden“ im Geschichtsbuch zeigte eine große Nase, dunkle Haare, schwulstige Lippen – und ich fand, dass meine Oma dem Ganzen ziemlich nahe käme. Was für mich den gesamten Unsinn der „nationalsozialistischen Rasselehre“ gut zusammenfasste. Vielleicht war diese Erinnerung der Grund, dass ich Thomas Meyers Buch „Was soll an meiner Nase bitte jüdisch sein?“ mit nach Hause nahm. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich ohnehin JEDES Buch von Thomas Meyer lese, weil diese IMMER lesenswert sind.

Um was geht es?

Antisemitismus hat viele Gesichter – und die meisten davon sind sehr freundlich. Doch auch die besten Manieren schützen nicht davor, Unsinn zu glauben. Wie zum Beispiel, dass alle Juden große Nasen hätten. Oder gut mit Geld umgehen könnten.

Der Schweizer Schriftsteller Thomas Meyer wurde nie verprügelt, weil er Jude ist. Aber viele Male verspottet, beleidigt und mit irrwitzigen Behauptungen konfrontiert. Wie zum Beispiel, dass seine Nase typisch jüdisch sei. Widersprach er, widersprach man ihm: Doch, doch, das sei eindeutig eine jüdische Nase. Genau so sähen die aus! Irgendwann hörte er auf zu diskutieren und begann, seine Erlebnisse mit dem alltäglichen Antisemitismus aufzuschreiben.

Entstanden ist ein kompakter Essay mit großer Wirkung. Die Alltäglichkeit und die oft erschreckende Direktheit von Meyers antisemitischen Erlebnissen nimmt uns als Leserinnen und Leser voll in die Pflicht. Und Meyer schont auch sich selbst nicht, denn er geht seinen eigenen Ressentiments in diesem bewegenden Text ebenso auf den Grund.
Meyers Essay ist ein radikal subjektiver, persönlicher Beitrag zur Antisemitismus-Debatte – ein dichtes Buch mit großer Sprengkraft.
Und seine Nase ist ganz normal, übrigens.

Und was habe ich gelernt? Vielleicht ist es ganz normal, Vorurteile zu haben, denn wir leben in einer Welt voll von Ihnen. Aber wir können versuche, diese nicht zu verteidigen, sondern anfangen sie zu hinterfragen! Lasst es uns versuchen – und darum lest erst einmal Thomas Meyers Buch!

Von Melena