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„Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen“ <br>von Alice Hasters

„Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen“
von Alice Hasters

Buch der Woche

Selten habe ich über ein Buch so viel diskutiert, wie über „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ von Alice Hasters. Und das zum Teil schon während des Hörens. Immer wieder habe ich mich regelrecht ertappt gefühlt. Habe mich und meine Welt hinterfragt und diese Fragen auch meinem Umfeld gestellt. Siehe da: Tatsächlich fühlte sich ein großer Teil sehr schnell angegriffen. Meine Gesprächspartner gingen in die Verteidigungshaltung. Gerade auch diejenigen, die von sich (so wie ich auch) am überzeugtesten sagen, dass sie keine Rassisten sind (und zwar ganz ohne das berühmte „Aber“ im Anschluss). Auch sie wollten ganz häufig nicht über ihr eigenes Verhalten, ihre Privilegien und ihre Vorurteile reden und nachdenken.

Wer Rassismus bekämpfen will, muss Veränderung befürworten – und die fängt bei einem selbst an.
„Darf ich mal deine Haare anfassen?“, „Kannst du Sonnenbrand bekommen?“, „Wo kommst du her?“ Wer solche Fragen stellt, meint es meist nicht böse. Aber dennoch: Sie sind rassistisch. Warum, das wollen weiße Menschen oft nicht hören.

Alice Hasters erklärt es trotzdem. Eindringlich und geduldig beschreibt sie, wie Rassismus ihren Alltag als Schwarze Frau in Deutschland prägt. Dabei wird klar: Rassismus ist nicht nur ein Problem am rechten Rand der Gesellschaft. Und sich mit dem eigenen Rassismus zu konfrontieren, ist im ersten Moment schmerzhaft, aber der einzige Weg, ihn zu überwinden.

Keiner hat gesagt, dass es nicht wehtut, eigene Privilegien zu hinterfragen und aufzugeben, die eigene Sprache zu verändern, in jedem Bereich aufmerksam zu werden und  zum Umdenken bereit zu sein. Aber ich glaube, es wird sich lohnen und wir sind erst ganz am Anfang!

Übrigens war es bei den Gesprächen, die ich in den letzten Wochen geführt habe, hilfreich zwischen Rassisten und Nazis zu unterscheiden. Denn natürlich sind nicht alle Rassisten gewaltbereit und ich verstehe sehr gut, wenn man beim Erkennen eigener rassistischer Vorurteile nicht mit Nazis in einen Topf geworfen werden will. Ich bin ganz sicher kein Nazi, ich behaupte sogar, dass ich auch kein Rassist. Dennoch bin ich in einer Gesellschaft aufgewachsen, in der Rassismus seit Jahrhunderten im allgemeinen Sprachgebrauch vorherrscht. Und nicht nur dort. Gerade mein Bild des deutschen Kolonialismus und meinen Blick auf Afrika allgemein, hat Alice Hasters mit ein paar Sätzen auf den Kopf gestellt. Gut so! Für mich ist es wichtig, dies zu erkennen. Denn nur dann kann ich verhindern, dass ich diese Vorurteile an meine Kinder weitergebe. Deswegen lest dieses Buch! Hinterfragt Euch! Traut Euch, das Thema anzusprechen!

Von Melena